Historie

Geschichte des Reitvereins

Man muß schon fast 100 Jahre zurückdenken können, um die Zeitspanne des Reitvereins zu überbrücken.

An der Grenze des Jahrhunderts wurde der Reit- und Fahrverein Isernhagen und Umgegend durch dreizehn Reiter gegründet. Ihnen an dieser Stelle zu danken, sollte gestattet sein.

Anläßlich einer landwirtschaftlichen Ausstellung in Burgwedel im Jahre 1912 wurde von 13 Reitern mit Gehrock und Zylinder auf glänzenden Rappen eine Quadrille geritten. Dieses Schaubild hatte soviel Anklang gefunden, daß der Wunsch nach weiterer gemeinsamer Arbeit und Fortbildung geäußert wurde. So trafen sich auf Vorschlag von Heinrich Ostermeyer die Quadrille-Reiter in der Gastwirtschaft "Neue Schänke", dem Standort der Celler Hengste, und gründeten hier am 11. Juni 1913 den Reit- und Fahrverein Isernhagen und Umgegend.
Vorsitzender, damals Präsident genannt, wurde Heinrich Ostermeyer sen..

1913, ein Jahr vor Ausbruch des 1. Weltkrieges war das Gründungsjahr des Vereins. Ländliche Reiter hatten bewiesen, daß ein Pferd nicht nur seine harte Arbeit in der Landwirtschaft vollbringen konnte, sondern auch unter dem Reiter seine Daseinsberechtigung hatte. Pferdezucht in dem hiesigen Raum förderte den Gedanken, nicht nur Reitpferde für die berittenen Truppenteile als Remonten zu liefern, sondern auch im eigenen Dorf sportlich zu reiten. Aus der kleinen Gründungszahl der dreizehn Getreuen wurde ein Verein mit regem Zugang und aktiver Reitausbildung. Es wurden Turniere veranstaltet, um im Wettbewerb den Ehrgeiz zu fördern und an sich selbst zu arbeiten. Ich erinnere an den damaligen Landjäger (so wurden damals die Polizisten genannt) Wilhelm Herbst. Er hatte aktiv bei der berittenen Truppe gedient und war dann zur Polizei gegangen. Mit Pferdesachverstand begabt und selbst ein hervorragender Reiter, war er in der Lage, uns das ABC der Reiterei beizubringen.

Die Nähe der Kavallerieschule Hannover wirkte sich selbstverständlich anspornend für den Verein aus. Der Kontakt war gut, zumal jedes Jahr am 3. November die Hubertusjagd der Kavallerieschule in der Gemarkung Isernhagen geritten wurde, an der die hiesigen Reiter auf gestellten Pferden der Schule und des Reiterregiments 13 teilnehmen konnten.

1926 wurden das Vereinsabzeichen entworfen und die Standarte angefertigt, die beim Verbandsturnier 1926 durch General Bauer geweiht und feierlich übergeben wurde.


Die Zeit der Inflation, Deflation und Währungsreform blieben nicht ohne Eindruck und Einfluß auf das Vereinsgeschehen. Die Wurzeln dieses Vereins waren aber im niedersächsischen Boden so stark verankert, daß auch der zweite Weltkrieg mit seinen noch größeren Auswirkungen als der erste seine Fundamente nicht erschüttern konnte. Häuser sanken in Schutt und Asche, und man hätte annehmen können, dass nun aus dem Ernst der Zeit nie mehr ein Reitverein bestehen könnte.

Der Wille, die Zukunft neu zu gestalten und auch der Reiterei einen Stellenwert zu verschaffen, ließ das Vereinsleben wieder aufblühen.

Am 3. August 1947 wurde der Verein durch den späteren Landrat Willy Müller, Isernhagen, wieder aktiviert 40 Pferdefreunde wählten Wilhelm Dusche zu ihrem Vorsitzenden.

Zu weiterem Aufschwung verhalf dem Verein der 1955 in Hannover-Bothfeld in einer alten Scheune eingerichtete Ausbildungsstall, dessen Leitung der bereits seit Jahren für den Verein aktive Hinrich Harms übernahm. Nicht nur Reiter erhielten dort ihre Ausbildung, sondern auch Züchter brachten ihre Pferde zur Ausbildung dorthin.

1966 ergab sich die Gelegenheit, in Isernhagen HB den auf dem Bätken-Hof bestehenden Reitstall zu übernehmen. In den vergangenen Jahren ist hier ein Kleinod geschaffen worden, das im weiten Umkreis seinesgleichen sucht.

Unter hohen Eichen gibt es in den alten Fachwerkhäusern und an der neuen, 80 Meter langen Reithalle über 60 Pferdeboxen, Außenanlagen mit Turnierplatz und Richterturm, Koppeln für die Pferde und eine Galoppierbahn im Gelände. Den Reitbetrieb in der Halle kann man von der großen, behaglichen Reiterklause aus beobachten.

Mittlerweile hat sich der Reitverein den Anforderungen der modernen Zeit gestellt. Hochmoderne Außenplätze, eine Führanlage, Waschboxen und ein Außengelände, das keine Wünsche übrig läßt, wurden sorgsam in die seit über 40 Jahren genutzte Anlage integriert. Zweimal im Jahr treffen sich nun zum Großen Preis von Isernhagen und der Hubertusjagd die Reite von Nah und Fern, während die Mitglieder des Vereins weiterhin die Voraussetzungen schaffen, um die Zukunft des Vereins sicherzustellen.

Herbert Leifers